In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit Wurzeln in Russland, der Ukraine, Kasachstan, Belarus und anderen Ländern, in denen Russisch Amtssprache ist oder war. Für sie ist der Gang zu deutschen Behörden oft mit Dokumenten in kyrillischer Schrift verbunden: Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Diplome, Arbeitsbücher oder Rentenbescheide. Fast immer verlangen Standesamt, Ausländerbehörde, Rentenversicherung oder Anerkennungsstelle eine beglaubigte Übersetzung ins Deutsche.
Dieser Beitrag erklärt, welche Besonderheiten russische Dokumente mit sich bringen und wie Sie Rückfragen und Verzögerungen vermeiden.
Welche Dokumente häufig gebraucht werden
- Geburtsurkunden, oft noch aus sowjetischer Zeit
- Heirats und Scheidungsurkunden
- Namensänderungsurkunden
- Schul und Hochschulabschlüsse mit Notenbeilage
- Arbeitsbücher als Nachweis der Berufsjahre
- Bescheinigungen über Wohnsitz und Staatsangehörigkeit
Viele dieser Urkunden wurden vor Jahrzehnten handschriftlich ausgefüllt. Stempel sind teilweise verblasst, und die Formulare entsprechen nicht mehr heutigen Mustern. Für den Übersetzer bedeutet das genaue Arbeit, denn jede Angabe muss vollständig und richtig übertragen werden.
Die Herausforderung der Namen
Die größte Fehlerquelle sind Namen. Russische Namen werden aus dem Kyrillischen in lateinische Buchstaben übertragen, und dafür gibt es mehrere Systeme. Aus demselben Namen kann Schukow, Zhukov oder Joukov werden, je nachdem, ob deutsche, englische oder französische Regeln angewendet werden. Hinzu kommen Vatersnamen, die im Deutschen keine Entsprechung haben, und weibliche Namensformen wie Iwanowa statt Iwanow.
Entscheidend ist, dass die Schreibweise in der Übersetzung mit dem Reisepass oder Aufenthaltstitel übereinstimmt. Ein professioneller Übersetzer Russisch Deutsch fragt deshalb immer nach der gewünschten Schreibweise und übernimmt die Form aus dem Ausweisdokument. Bei Bedarf wird die Transliteration nach der in Deutschland üblichen Norm zusätzlich in Klammern angegeben.
Was eine beglaubigte Übersetzung ausmacht
Deutsche Behörden akzeptieren in der Regel nur Übersetzungen von Übersetzern, die bei einem deutschen Gericht ermächtigt oder beeidigt sind. Die Übersetzung trägt einen Bestätigungsvermerk mit Unterschrift und Stempel und wird mit einer Kopie des Originals verbunden, damit klar ist, auf welches Dokument sie sich bezieht. Übersetzungen, die im Herkunftsland angefertigt und dort notariell beglaubigt wurden, werden in Deutschland meist nicht anerkannt.
Wie der Ablauf von der Anfrage bis zur fertigen Urkunde aussieht, beschreibt ein eigener Ratgeber zum Thema beglaubigte Übersetzung Schritt für Schritt.
Einbürgerung und Aufenthalt
Besonders viele Dokumente werden bei der Einbürgerung benötigt. Neben Identitätsnachweisen verlangen die Behörden oft Nachweise über Familienstand, Abstammung und gegebenenfalls frühere Namen. Allgemeine Informationen zu Aufenthalt und Einbürgerung bietet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Welche Unterlagen genau vorgelegt werden müssen, entscheidet jedoch die zuständige Einbürgerungsbehörde vor Ort.
Apostille und Legalisation
Ob russische Urkunden zusätzlich eine Apostille benötigen, hängt vom ausstellenden Land, vom Zweck und von der Behörde ab. Für viele Länder der ehemaligen Sowjetunion ist das Haager Apostilleübereinkommen anwendbar. Die Apostille wird im Ausstellungsland auf das Original gesetzt und anschließend mitübersetzt. Wer bereits in Deutschland lebt, kann sie oft nur über Verwandte oder Bevollmächtigte im Heimatland beantragen. Planen Sie dafür ausreichend Zeit ein.
Berufsabschlüsse anerkennen lassen
Ärzte, Ingenieure, Lehrer oder Pflegekräfte mit russischen Abschlüssen müssen ihre Qualifikation in Deutschland anerkennen lassen. Dafür werden Diplome, Notenübersichten und oft auch Stundenpläne mit Fächern und Stundenzahl benötigt. Diese Unterlagen sind umfangreich und fachlich anspruchsvoll. Eine präzise Übersetzung der Fachbezeichnungen ist entscheidend, damit die Anerkennungsstelle Inhalte und Umfang der Ausbildung richtig bewerten kann.
Rentenansprüche nachweisen
Für die deutsche Rentenversicherung spielen Beschäftigungszeiten im Herkunftsland eine Rolle. Das sowjetische Arbeitsbuch enthält handschriftliche Einträge über Arbeitgeber, Tätigkeiten und Zeiträume. Für die Übersetzung braucht es Erfahrung mit diesen Dokumenten und mit sowjetischen Abkürzungen für Betriebe und Behörden.
Typische Fehler vermeiden
- Uneinheitliche Schreibweisen von Namen in verschiedenen Übersetzungen
- Fehlende Übersetzung von Stempeln und Randvermerken
- Nicht anerkannte Übersetzungen aus dem Herkunftsland einreichen
- Schlecht lesbare Kopien ohne Rückseite einsenden
- Die Apostille erst nach der Übersetzung beantragen
Dokumente aus der Ukraine, Belarus und Kasachstan
Nicht jedes russischsprachige Dokument stammt aus Russland. Viele Urkunden wurden in der Ukraine, in Belarus, Kasachstan, Usbekistan oder Moldau ausgestellt, teils auf Russisch, teils zweisprachig mit der jeweiligen Landessprache. Ukrainische Urkunden aus den letzten Jahren sind häufig nur noch auf Ukrainisch verfasst, ältere Dokumente dagegen auf Russisch. Für die Übersetzung ist es wichtig, die Sprache jedes Dokuments genau zu bestimmen und Ortsnamen in der heute gültigen Form wiederzugeben. Eine Stadt kann in alten und neuen Dokumenten unterschiedlich heißen, etwa wegen Umbenennungen nach dem Ende der Sowjetunion. Gute Übersetzer kennen diese Unterschiede und vermerken bei Bedarf beide Namensformen.
Wie lange es dauert und was es kostet
Standardurkunden wie Geburts oder Heiratsurkunden werden meist innerhalb weniger Werktage übersetzt und häufig zu Pauschalpreisen angeboten. Umfangreiche Unterlagen wie Diplome mit Fächerlisten oder Arbeitsbücher dauern länger und werden nach Umfang berechnet. Handschriftliche oder schwer lesbare Dokumente erfordern mehr Aufwand. Wer frühzeitig alle Unterlagen zusammenträgt und gut lesbare Kopien liefert, spart Zeit und Geld. Viele Übersetzungsbüros nehmen Scans per E Mail an und schicken die beglaubigte Übersetzung anschließend per Post, sodass kein persönlicher Termin nötig ist.
Am besten alles auf einmal
Wer mehrere Behördengänge vor sich hat, sollte alle Dokumente gesammelt übersetzen lassen. So entstehen einheitliche Schreibweisen, und die Kosten bleiben überschaubar. Bewahren Sie die beglaubigten Übersetzungen sorgfältig auf, denn sie werden oft mehrfach gebraucht, etwa beim Standesamt, bei der Einbürgerung und später bei der Rentenversicherung. Gut vorbereitete Unterlagen ersparen Ihnen viele Wege und Wartezeiten.
